Religion an beruflichen Schulen...

Nordrhein-Westfalen

Stellungnahmen

Stellungnahme zur Lehrerausbildung

Verband Katholischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen e.V.

Gesetzentwurf der Landesregierung zur Reform der Lehrerausbildung
Drucksache 14/7961
Studium für das Lehramt an Berufskollegs ohne zwei allgemeinbildende Fächer


Sehr geehrte Frau Präsidentin,

der VKR stellt mit großer Sorge fest, dass der o.a. Gesetzentwurf zur Reform der Lehrerausbildung vom 25.06.2008 für das Lehramt an Berufskollegs nur noch Ausbildungen in Kombination mit mindestens einer beruflichen Fachrichtung vorsieht. Lehramtsstudenten mit zwei „berufsübergreifenden“ Unterrichtsfächern können nach den Mindestanforderungen gem.

§ 11 Abs. 5 Nr. 4 dieses Entwurfs künftig nicht mehr für das Lehramt an Berufskollegs ausgebildet werden.

Wir sehen dadurch dauerhaft den Unterricht für die Schülerinnen und Schüler in den berufs-übergreifenden Fächern und damit insbesondere den Religionsunterricht gefährdet, da die Studienkombination „Kath. Religionslehre und Berufliches Fach“ nur von wenigen Lehramtsstudierenden gewählt wird.

Schon jetzt ist ein eklatanter Unterrichtsausfall in dem berufsübergreifenden Lernbereich festzustellen und nur noch eine unzureichende Versorgung gewährleistet. Dadurch wird an entscheidender Stelle die Qualität der berufsbildenden Schulen in Frage gestellt und das festgeschriebene bildungstheoretisch hinlänglich begründete Postulat von beruflicher und allgemeiner Bildung in berufsbildenden Schulen verfehlt.

Unter diesen Bedingungen sind für unsere Schülerklientel mittlere und höhere Bildungsabschlüsse mit dem geforderten Qualitätsanspruch nicht mehr gesichert. Gleichwohl werden die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern massiv getäuscht, die sich auf die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems verlassen, wenn diese Entwicklung nicht durch die Landesregierung gestoppt wird.

Die Option, ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer aus Gymnasien und Gesamtschulen für das Berufskolleg nach der Staatsprüfung rekrutieren zu können, halten wir aus folgenden Gründen für nicht vertretbar, erstens, weil diese Lehrkräfte ein Kompetenzprofil erworben haben, das die Tätigkeitsanforderungen speziell ihrer Schulform während des Studiums sowie der begleitenden Praxiselemente berücksichtigt, und sie somit für den Einsatz an Gymnasien und Gesamtschulen prädestiniert sind,

und

zweitens, weil sie zudem nur die Möglichkeit haben, den Vorbereitungsdienst gem. § 5 Abs. 1 Satz 2 ausschließlich am jeweils angestrebten Lehramt auszurichten.

Unseres Erachtens wird durch diese Vorgehensweise das beabsichtigte Ziel der Reform der Lehrerausbildung „Die neue Lehrerausbildung setzt insgesamt auf größere Praxisnähe und reflektierte Praxisorientierung“, konterkariert.

Für welche Lehrkräfte des gymnasialen Bereichs oder Gesamtschulbereichs wird nach Abschluss ihrer Profil bildenden Ausbildung eine Anstellung im beruflichen Schulwesen attraktiv sein? Zumal man nach dem Gesetzentwurf davon ausgehen muss, dass diese Lehrkräfte überhaupt keine Chance bekommen, während ihrer Lehrerausbildung das berufliche Schulwesen intensiv kennen zu lernen und in der Regel auch nicht als Schüler/in Einblick in diese Schulform erhalten haben.

Daher werden diese Lehramtsabsolventen verständlicherweise zunächst eine Anstellung in der studierten Schulform anstreben.

Wir prognostizieren:
Nur bei einem Einstellungsstopp für Gymnasien und Gesamtschulen werden die Berufskollegs auf einen großen Bewerberkreis zurückgreifen können, der dann aber nicht über das Kompetenzprofil einer/eines grundständigen Lehrerin/Lehrers an Berufskollegs verfügt. Gleichwohl ist in dieser Situation die Möglichkeit gegeben, die geeignetsten Bewerber/-innen auszuwählen; insofern ist dies für die Berufskollegs noch die „beste“ Ausgangslage.

Gymnasial- und Gesamtschulkräfte bewerben sich um eine Anstellung an Berufskollegs, weil sie keine Chance in ihrer Schulform erhalten haben. Gründe dafür könnten sein, dass ihre Fächerkombination nicht ausgeschrieben wird oder aber, und - das ist für die Berufskollegs weitaus misslicher -, dass es sich um Lehrkräfte handelt, die nicht ausreichend qualifiziert sind. Eine derartige Situation stellt für uns keine ad       äquate Alternative dar, um Profilbildung und Qualität in Berufskollegs zu sichern. Dies gilt außerdem für alle berufsübergreifenden Fächer, die in den Stundentafeln der         Bildungsgänge an Berufskollegs enthalten sind.

Fazit:
Der Gesetzentwurf verhindert für das berufsbildende Schulwesen in den berufsübergreifenden Fächern eine nachhaltige Qualitätssicherung, insbesondere auch für den Religionsunterricht. Von daher halten wir für das Lehramt an Berufskollegs ein Studium von zwei Unterrichtsfächern für unverzichtbar. „Die neue Lehrerausbildung setzt insgesamt auf größere Praxisnähe und reflektierte Praxisorientierung.“ Dieses Ziel der Landesregierung sollte auch für die Berufskollegs Gültigkeit haben.

Darüber hinaus wird ein wesentliches Element der Qualitätssicherung - die Erste Staatsprüfung - aufgegeben, gleichwohl sie in mehreren Bundesländern (Bayern, Rheinland-Pfalz, Thüringen, etc.) auch bei der konsekutiven Ausbildung beibehalten wird. Hierdurch wird die Lehrerausbildung im Vergleich zu der aktuellen grundständigen Lehrerausbildung unseres Erachtens nicht verbessert, sondern verschlechtert werden.

Daher fordern wir, den Entwurf zur Reform des Lehrerausbildungsgesetzes nachzubessern, indem für das Lehramt an Berufskollegs ein Studium von zwei Unterrichtsfächern aufgenommen wird und die Erste Staatsprüfung bestehen bleibt. Nur dann kann die Qualität im Sinne des neuen Schulgesetzes gesteigert, der Berufsfeld- und Praxisbezug intensiviert sowie die fachliche und pädagogische Profilierung künftiger Lehrerinnen und Lehrer auch in Berufskollegs im Sinne einer klaren Lehramtsprofilierung gestärkt werden.

Der VKR ist gerne bereit, mit Ihnen diese Problematik auch persönlich zu erörtern und gemeinsam einen Lösungsvorschlag zu entwickeln.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Helga Nolte
VKR-Landesvorsitzende

extra rabs NRW

Artikel in extra rabs NRW 1/ 2010

Eugenie Blass

Ungleichbezahlung von Frauen und Männern
Gottes Ebenbildlichkeit für Mann und Frau?

Ein Kalenderjahr neigt sich dem Ende, viele Menschen verbringen eine friedvolle Weihnachtszeit, der Jahreswechsel bietet sich für einen Rückblick und eine Vorausschau an. Würden sich Kolleginnen und Kollegen des gleichen Berufes, gleichen Alters und Familienstandes, angestellt in der gleichen Firma, an Silvester offen über Ihr Gehalt unterhalten, wäre die Ernüchterung groß: In der Regel müssen Frauen bis zu 3 Monate länger arbeiten, um das gleiche Geld in der Tasche zu haben. Anders ausgedrückt: Frauen verdienen im Schnitt 23 % weniger als Männer.

Wie ist dieser Lohnunterschied zu bewerten? Lohnunterschiede werden gewöhnlich dann als berechtigt angesehen, wenn sie durch Leistungsunterschiede begründet sind. Unberechtigt sind Lohnunterschiede allerdings, wenn sie keinen Bezug zur Leistung aufweisen. Wenn dadurch Diskriminierung zu Stande kommt. In der Bundesrepublik Deutschland – wie auch in der gesamten Europäischen Union, sind unterschiedliche Löhne bei gleicher oder gleichwertiger Arbeitsleistung gesetzlich verboten. Demgegenüber stehen die durchschnittlich festgestellten Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in den regelmäßigen Berichten der EU-Kommission. Prof. Dr. Hinz und Dr. Hermann Gartner haben die Bruttolöhne von ca. 15 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Westdeutschland zwischen 1993 und 2001 untersucht. In diesem Zeitraum haben die Lohnunterschiede nach Geschlecht zwar leicht abgenommen, insgesamt erscheinen sie jedoch sehr verfestigt.

Objektive Unterschiede wie Bildungsniveau oder Berufserfahrung können das Lohngefälle nicht erklären. Wissenschaftler sehen einen Grund in der geschlechterspezifischen Aufteilung des Arbeitsmarktes. Frauen arbeiten tendenziell in anderen Branchen und Bereichen und insgesamt in einem engeren Spektrum an Branchen und Berufen als Männer. Außerdem arbeiten sie nur selten in gut bezahlten Führungspositionen. Gleichzeitig sind die Bereiche, in denen Frauen tätig sind, gesellschaftlich geringer angesehen und damit auch geringer vergütet. Doch die Studie von Hinz/Gartner unterstreicht, dass das Lohngefälle auch innerhalb von Berufen vorzufinden ist. Zwischen Männern und Frauen mit gleichem Beruf im gleichen Betrieb und gleichem Alter besteht im Durchschnitt ein Lohnunterschied von 12 %. Im internationalen Vergleich ist das eine recht hohe Lohndifferenz. Ähnliche Untersuchungen aus den USA und Skandinavien zeigen, dass dort fast keine Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen innerhalb von so eng definierten Gruppen bestehen.

Worauf basieren diese 12 % Lohndifferenz? Hinz/Gartner verglichen die Tagesverdienste: Männer machen in einem höheren Ausmaß Überstunden, was einen kleinen Teil erklären kann. Als wesentlichen Grund jedoch erkennen die Autoren die Hierarchien innerhalb von Berufen und verdeutlichen dies an einem Beispiel: Arbeiten mehrere Frauen und ein Mann als ausgebildete Sozialpädagogen in einer Sozialstation, leitet in der Regel der Mann die Station, bei entsprechendem Verdienstunterschied. Ein deutlicher Teil des Lohnunterschiedes ist auch auf Erwerbsunterbrechungen wegen Erziehungspausen zurückzuführen. Denn beim Wiedereinstieg muss in der Regel ein geringeres Einkommen hingenommen werden.

Grundsätzlich zeigt sich auch, dass in Branchen, in denen der Frauenanteil gering ist, sich der Abstand der Gehälter umso größer darstellt: Eine Studie von PersonalMarkt, 2005 hat über 200.000 Datensätze ausgewertet und die Gehälter von 22 Berufen analysiert. Dabei zeigt sich eine Ausnahme: In der Softwareentwicklung. Der Abstand bei den Gehältern ist neben dem Geschlecht auch abhängig vom Lebensalter: So betragen nach EU-Angaben (2007) die Gehaltsunterschiede bei Beschäftigten unter 30 Jahren nur sieben Prozent, bei den 50- bis 59-Jährigen jedoch 30 Prozent. Bei den Beschäftigten unter 30 Jahren zeigt sich, dass bereits bei Praktikantenplätzen ungleich bezahlt wird. Jung-Akademikerinnen erhalten im Schnitt 543 Euro, ihre ehemaligen Kommilitonten 741 Euro. Die Schere setzt sich bei der Entlohnung von Traineeplätzen fort.

Nochmals ein Blick auf die Leistung: Studien der amerikanischen Catalyst-Gruppe zeigen, dass Unternehmen, die in ihren Vorstand bzw. Geschäftsführung Frauen berufen, profitabler wirtschaften. Der ROE (Return on Equity) wird um 53 % gegenüber rein mit Männern besetzten Führungsetagen übertroffen (Untersuchung von 500 Fortune-Unternehmen 2007). Wenn die Leistung weiblicher Führungskräfte messbare Erfolge belegt, wie erklärt sich dann jedoch der weiterhin recht konstante Lohnunterschied? Ein häufiges Einstellungs- und Aufstiegshindernis ist die Angst der Personalentwickler vor höheren Fluktuationsraten weiblicher Führungskräfte, die durch Schwangerschaften und Familienpflichten entstehen können. In einigen nationalen und internationalen Studien konnte jedoch nachgewiesen werden, dass Managerinnen weder eine niedrigere Durchschnittsproduktivität noch eine höhere Fluktuationsrate haben.  Was steht also dahinter? Die Berliner Soziologin Christine Funken stellt folgendes fest: Wenn ein Arbeitgeber zwischen einem Mann und einer Frau mit gleicher Produktivität entscheiden müsse, dann würde er sich für den männlichen Bewerber entscheiden. Warum? Weil dieser dem bewährten Personentyp entspreche, es sei denn, die Frau biete ihre Arbeitskraft um so viel billiger an, dass sich die Einstellung für den Arbeitgeber lohne. Verschärft wird diese Situation dadurch, dass Frauen in der Regel weniger fordernd in Gehaltsverhandlungen auftreten als Männer. Paradoxerweise werde jedoch aufgrund der geringeren Entlohnung auf eine geringe Durchschnittsproduktivität geschlossen, was sich direkt auf die Karrierechancen auswirkt. Damit wird die sogenannte „gläserne Decke“ sichtbar, die subtil und kaum messbar den Weg von Frauen in Führungspositionen, das gehobene Management und damit einen Schritt in Richtung Lohngerechtigkeit verhindert.

Liegt demnach die (potentielle) Gabe der Frau Kinder zu gebären der Ungleichbezahlung zugrunde? Dies ist mit einem eindeutigen Ja zu beantworten:

  • Frauen wählen häufig Berufe, die sich mit der Familiensituation gut vereinbaren lassen, wobei ein Wiedereinstieg in den Beruf über einen 400 € Job und eine spätere, in der Regel relativ gering bezahlte Beschäftigung den Weg kennzeichnen. Aufgrund des geringen Verdienstes können teure Kinderbetreuungsangebote nicht wahrgenommen werden, wodurch ein Weiterkommen im Beruf ebenfalls ausgeschlossen wird, die Schere im Durchschnittseinkommen ab dem 50. Lebensjahr geht deutlich auseinander.

  • Der Trend zur besseren Ausbildung von jungen Frauen hält an, doch auch hier zeigt sich die potentielle Familiengründungsbereitschaft als Auslöser für Lohnungleichheit: Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen auf, dass Frauen unter 30 Jahren mit 43 Prozent noch fast genauso stark in Leitungspositionen vertreten sind wie gleichaltrige Männer. Ihr Anteil sinkt jedoch mit der Familiengründung oder dem Scheitern an der „gläsernen Decke“ bis zum Alter von 40 Jahren auf knapp über 20 Prozent und bleibt dann auf niedrigem Niveau. Hier stellt sich die Frage, wie viele Frauen in Leitungspositionen tatsächlich gern komplett aussteigen, und wie vielen starre Vollzeitstellenangebote die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unmöglich machen.


Sowohl auf der individuellen wie auch der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebene gibt es Ansatzpunkte für eine notwendige Veränderung:

Immer mehr Frauen genießen eine bessere Ausbildung und haben den Wunsch trotz Familiengründung am beruflichen Fortkommen – was mit dem Wunsch nach Lohngerechtigkeit einhergeht. Das neue Scheidungsgesetz hat zudem eine Notwendigkeit am beruflichen Fortkommen auf den Weg gebracht: Frauen haben aus wirtschaftlichen Gründen eine größere Notwendigkeit und ein größeres Interesse an einer beruflichen Etablierung mit gleichem Lohn und offenen Wegen in Führungsetagen. Die Versorgungssituation im Scheidungsfall hat sich deutlich verändert. Ausserdem zeigt sich aufgrund des Wegfalls eines auf Lebenszeit verlässlichen Arbeitsplatzes und den Anforderungen des Arbeitsmarktes, dass immer öfter Frauen als die Hauptverdiener für Familien fungieren.

Die gesellschaftliche Anerkennung von typischen Frauenberufen wie auch einer Abkehr von stereotypen Frauenbildern ist notwendig. Es bedarf eines modernen Mutterbildes, das Mütter, die Arbeiten, nicht zu Rabenmüttern degradiert. Auch die Erwerbsunterbrechungen müssen gleichmäßiger auf beide Geschlechter verteilt werden. Es braucht Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs, einen steuerlichen Rahmen wie z. B in Frankreich, wo Kinderbetreuung steuerlich gefördert wird.

Der Ruf der Wirtschaft die Ressource „Frauen“ effektiver auszuschöpfen, wird zunehmend lauter. Die Investitionen, die in die Ausbildung der Mitarbeiter fließen, können gerade bei global agierenden Unternehmen nicht weiterhin partiell genutzt werden. Erste Ansätze für eine Lohngleichheit finden sich in international tätigen Konzernen.

Fazit: Die Ungleichbezahlung von Mann und Frau ist belegbar, die Maßnahmen zur Änderung der Situation sind benennbar. Politische Richtungsweisungen durch ein unterstützendes Antidiskriminierungsgesetz, Verbesserung der Betreuungssituation von Kindern (Stichwort demografischer Wandel: Auch Betreuungsausfallzeiten zur Pflege der Eltern stehen an) oder zukünftig durch einen attraktiveren steuerlichen Rahmen sind die Grundpfeiler einer Änderung. Die schwierigeren Ebenen spielen sich in den Köpfen der Menschen ab: Veränderung des Rollenbildes, Abkehr vom vermeintlich bewährten Personentyp bei der Personalauswahl, Mut und Zuversicht der Frauen, die als Vorreiter agieren, Offenheit gegenüber dem Menschen, seinen Talenten und Interessen, unabhängig vom Geschlecht.

Dazu ist es notwendig, dass weiterhin auf die Lohnungleichheit und ihre Ursachen aufmerksam gemacht wird. Seit 2009 gibt es ein Aktionsbündnis von Wirtschaftsverbänden und Frauenorganisationen, die einmal jährlich am Equal Pay Day (EPD) mit großer Medienwirkung auf das Problem hinweisen. Ursprünglich kommt die Idee für einen Equal Pay Day aus den USA, wo ihn die amerikanischen Business and Professional Women (BPW), der weltweit größte Verbund der berufstätigen Frau, bereits Mitte der Neunziger Jahre etablierten. Auch dort steht das Thema Entgeltgleichheit - ähnlich wie jetzt in Deutschland - im Mittelpunkt zahlreicher Aktionen und Veranstaltungen. Mit einem bunt gefächerten Veranstaltungsprogramm, Infoständen in Fußgängerzonen, Podiumsdiskussionen in allen deutschen Städten usw. soll das Thema in allen Facetten beleuchtet werden. Im Vordergrund steht die Aufklärung und Sensibilisierung.  Der nächste EPD, bei dem jede Mitwirkende und jeder Mitwirkender herzlich willkommen ist, findet am 26. März 2010 statt. Beim EPD  2009 haben sich deutschlandweit mehr als 65.0000 Bürgerinnen und Bürger an rund 190 Aktionen in 155 Orten beteiligt. Weitere Informationen zum Thema und den Aktionen sind unter: http://www.equalpayday.de zu finden.

Sowohl durch eine breite Öffentlichkeit, das Mitwirken der Gesetzgebung wie auch die Ermutigung jeder einzelnen Frau, kann das Thema „Ungleichbezahlung von Frauen und Männern“ gelöst werden. Welch ein Schritt Richtung: „Gottes Ebenbildlichkeit für Mann UND Frau“ könnte getan werden….

Eugenie Blass
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Zahlen/Quellen:

  • Prof. Dr. Christiane Funken, Technische Universität Berlin in: BPW-Journal 1/2008
  • Prof. Dr. Thomas Hinz, Universität Konstanz, Dr. Hermann Gartner, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg in: BPW-Joural 1/2008.
  • Hinz, Thomas; Gartner, Hermann (2005), Geschlechtsspezifische Lohnunterschiede in Branchen, Berufen und Betrieben. In: Zeitschrift für Soziologie, JG. 34, H. 1.
  • Hans-Böckler-Stiftung, WSI-Frauenlohnspiegel (2005/2006): Eine Bankkauffrau verdient im Durchschnitt 21 % weniger als ihre männlichen Kollegen, eine Grafikdesignerin bis zu 28,9 %.
  • Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (2005): Frauen bei gleicher Ausbildung und Berufserfahrung müssen im Schnitt einen Abschlag von 12 % gegenüber ihren männlichen Kollegen hinnehmen.
  • Prof. Dr. jur. Andrea Ruppert, FH Frankfurt am Main, Prof. Dr. Martina Voigt, FH Frankfurt am Main in: BPW-Journal 1/2008.
  • Statistisches Amt der EU (2007): Die Gehaltskluft zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland mit 22 % besonders gravierend: Im EU-Durchschnitt verdienen Frauen 15 % weniger. Nur in Zypern  (24 %) und Estland (25 %) sind die Zahlen noch höher.
  • Statistisches Bundesamt (2007): Im Jahr 2006 erhielten vollzeitbeschäftigte Frauen in Deutschland im Durchschnitt 2.587 Euro brutto im Monat, das sind 20 % weniger als der Durchschnittsverdienst der Männer, der bei 3.234 Euro lag.


Thomas Feldmann
Die Gleichstellung von Mann und Frau als christliche Realerwartung

Frauen spielen in der Kirche und für die Kirche eine bedeutende Rolle. Die Kirche wird getragen von Frauen in Haupt- und Ehrenamt. Sie arbeiten als Religionslehrerinnen, sind Kirchenmusikerinnen und Anwältinnen in Kirchengerichtsverfahren, leiten Gottesdienste, teilen die Kommunion aus und beerdigen die Toten – auch wenn sie katholisch sind oder als Protestantin kein Weiheamt innehaben. Wenn die Frauen eine Woche streiken würden, würde nichts mehr gehen.

Schaut man in der Kirche genau hin, ist es nicht anders als in der übrigen Berufswelt: Ein traditionelles Rollenverständnis und die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen dazu, dass Frauen häufig in Teilzeit arbeiten, schlechter bezahlt werden als die männlichen Kollegen und nur selten in Leitungsfunktionen kommen.

Maria Theresa Opladen, Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands wurde hierzu in einem Zeitschriftenartikel zitiert: "Es stehen sehr viele Frauen im kirchlichen Dienst. Aber je höher die Hierarchieebene, desto weniger sind es". (in: Sabrina Ebitsch „Immer noch die alte Leier – Die wichtigsten Ämter in Deutschlands Kirchen besetzen nach wie vor Männer. Die Frauen aber halten den Betrieb am Laufen in: Die Zeit Nr. 38 / 2009. Umfassende Zahlen gibt es nicht, eine exemplarische Erhebung in vier Diözesen jedoch kam zu dem Ergebnis, dass der Frauenanteil unter den Beschäftigten insgesamt bei 55 Prozent liegt, unter den Führungskräften aber nur bei knapp fünf Prozent.

Angesichts des Nachwuchsmangels bei den Priestern ist die katholische Kirche auf Pastoralreferentinnen angewiesen. Obwohl die Frauen dasselbe gelernt haben wie die Männer, denselben Abschluss haben und oft noch die besseren Noten, können sie nicht Pfarrerin werden. Sie haben die akademisch, aber nicht die kirchliche Weihe. Das sie hier trotz gleicher Qualifikation nicht zugelassen sind, ist schwierig in einer Gesellschaft, wo Frauen von Pilotin bis Bundeskanzlerin alles werden können.

In der evangelisch-lutherischen Kirche haben Frauen zumindest in Deutschland Zugang zu allen Ämtern. Die Realität aber ist eine andere. Unter den 22 Bischöfen der evangelischen Landeskirchen sind nur drei Frauen. Insgesamt sind laut einer Erhebung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 74 Prozent der Beschäftigten im Kirchendienst weiblich. Trotzdem sind nur knapp ein Drittel der evangelischen Pfarrer Frauen – aber selbst in diesen Ämtern sind die Teilzeitbeschäftigten unter ihnen in der Mehrheit. Wie in der katholischen Kirche ist der weibliche Anteil am Ehrenamt mit fast 70 Prozent sehr hoch. Das ist umso bedeutsamer, da die evangelische Kirche Laien auch in Leitungsfunktionen holt und sie unmittelbar an der theologischen Arbeit beteiligt.

Gleichstellungsdefizite werden auch künftig die Kirchen beschäftigen. Dabei ist die Ausgangslage der Frauen innerhalb der christlichen Religion gar nicht so schlecht.

Grundlegende anthropologische Aussagen finden wir in den Genesis – Texten. Diese dort enthaltenen anthropologischen Aussagen bilden ein normatives Fundament der christlich-westlichen Zivilgesellschaften. Der Historiker Heinrich August Winkler äußerte in einem Spiegelgespräch: „Schuldgefühle gehören zur christlichen Prägung des Westens. Es gibt schamzentrierte, und es gibt schuldzentrierte Gesellschaften. Ich glaube, dass die politische Kultur des Westens durch solche vorpolitischen Vorgaben geprägt... ist.“ („Ungeheure subversive Kraft“ – die Geschichte des Westens, den häufigen Verstoß gegen eigene Ideale und die Überheblichkeit der Europäer in: Der Spiegel 39 / 2009 S. 58 ff).

Christlich orientierte  Zivilgesellschaften können in Genesis 1 und 2 auf eine ausformulierte Verhältnisbestimmung von Mann und Frau zurückgreifen. Wird dieses normative Projekt durch seine Praxis widerlegt, so enthält dieses normative Projekt die Pflicht zur ständigen Infragestellung und Korrektur der eigenen Praxis. Inwieweit Gesellschaften auf eine ausformulierte Verhältnisbestimmung von Mann und Frau zurückgreifen können, mag folgender Bibel-Exkurs verdeutlichen:

Gen 1,24 – 1,27
Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen,
ein Bild, das uns gleich sei…
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde,
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und schuf sie als Mann und Frau.

Auslegung
Es fällt auf, das Gott im Plural von sich spricht. Sieht man von der Deutung ab, dass hier noch Reste polytheistischer Gottesvorstellungen durchscheinen und fokussiert den pluralen Schöpfergott auf sein ebenbildliches Schöpfungswerk von Mann und Frau, so muss dieser Gott als männlich und weiblich gedacht werden. Mann und Frau als Ebenbild eines unendlichen Gottes sind jeder für sich unendlich und können daher auch nicht untereinander Über- bzw. untergeordnet werden.

Anders als in Genesis 1,27, wo Mann und Frau gleichzeitig und gleichberechtigt erschaffen wurden, scheint die "Frau" in der zweiten Schöpfungsgeschichte ein nachträglicher Einfall des Schöpfers zu sein, der im Wesentlichen dazu dient, den Mann aus seiner Einsamkeit zu erlösen und ihm Hilfe gibt, damit er sein Leben besser bewältigen kann.

Dass dies dem Text in keiner Weise gerecht wird, sollen folgende Ausführungen zeigen. Die einseitige patriarchalische Auslegung von Genesis, Kapitel 2, ist durch eine feministische Exegese korrigiert. Die Frage, ob die Wirkungen einer einseitigen patriarchalischen Auslegung beseitigt sind muss hier offen bleiben.

Die folgende Textauslegung möchte dazu beitragen  nachzuschauen, wie viel von den überkommenen Deutungsmustern, die die Vorrangstellung des Mannes begründen, noch in unseren Köpfen herumspukt. Es ist beabsichtigt dem Leser die ursprünglich von Gott als Schöpfer und den biblischen Texten beabsichtigte Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter vor Augen zu führen.


Gen 2,22
Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu.

Auslegung
Vertrauen wir den Exegeten, so erschafft Gott die Frau nicht aus einer „Rippe“, sondern sie wird aus der „Seite“ des Menschen geformt, denn das zugrundeliegende hebräische „zela“ ist eigentlich ein Begriff aus der Architektur / Geographie und beschreibt sonst z.B. die Seite eines Hauses oder die Flanke / den Abhang eines Berges. Die Grundbedeutung „Seite“ passt auch besser zu 2,23, wo es heißt, dass die Frau nicht nur „Bein von Bein“, sondern auch „Fleisch von Fleisch“ ist. Wenn dem ersten Menschen eine ganze Seite genommen wird, so ist er nicht mehr lebensfähig, wenn er nicht „durch seine andere Seite“ ergänzt wird und die Menschen „Seite an Seite durchs Leben gehen“. Dass Gott die Frau nicht - wie den ersten Menschen und die Tiere - aus „Staub vom Ackerboden“ erschafft, sondern aus dem ersten Menschen, will die enge Verbindung von Mann und Frau betonen.

Der jüdische Publizist Pinchas Lapide merkt hierzu an: „er nahm sie aus seiner Seite oder Flanke, und die Rabbinen folgern, dass sie „Seite an Seite“ zusammen durchs Leben gehen sollen. Denn hätte er ihr bestimmt über den Mann zu herrschen, so wäre sie der orientalischen Symbolik gemäß aus seinem Kopf entnommen worden – wie Pallas Athene, die Schutzgöttin von Athen, die dem Kopf des Zeuss entsprang; hätte er ihr bestimmt, seine Dienerin zu sein, so hätte er sie – derselben Symbolik gemäß – aus seinen Füßen entnommen. Er aber – sagen die Rabbinen… nahm sie aus seiner Seite, um ihre Ebenbürtigkeit zu untermauern.“


Gen 2,23
Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen.

Auslegung
Erst an dieser Stelle des Textes taucht zum ersten Mal der Begriff „Mann“ auf. Zuvor war immer von „Mensch“ die Rede. Im Hebräischen heißt „Mann“ "isch" und „Frau“ "ischah". „Ischah“ ist - gramma¬tikalisch gesehen - die weibliche Form, das Feminin von „isch“, weswegen Luther folgerichtig nicht „Frau“, sondern „Männin“ übersetzt, um das hebräische Wortspiel zum Ausdruck zu bringen. Überall dort, wo im Alten Testament „Frau“ steht, müsste man konsequenterweise eigentlich „Männin“ übersetzen. Durch diese grammatikalische Raffinesse soll im Grunde genommen zum Ausdruck gebracht werden, dass es von dem Exemplar „Mensch“ eine männliche (isch) und eine weibliche (ischah) „Ausgabe“ gibt, die einander zugeordnet sind. Eine Unterordnung der Frau ist daraus keinesfalls ableitbar.


Zusammenfassung
Die Gleichstellung von Mann und Frau ist nicht nur ein Projekt der Moderne, sondern findet seine Formulierung bereits im Schöpfungsbericht. Eine gleichrangige Verhältnisbestimmung von Mann und Frau wurde in einer konkreten historischen Situation formuliert und ist seit dem eine Realerwartung. Diese Realerwartung ist ständig bedroht von religiöser und revolutionärer Intoleranz, das Streben nach Hegemonie, der Neigung zu Chauvinismus und Rassendünkel. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist damit eine gesellschaftliche kontrafaktische Realerwartung. Einerseits strecken sich immer wieder westliche Gesellschaften verlangend nach ihrer Realerwartung aus, indem sie diese Erwartung in kodifiziertes Recht gießen. Andererseits verstoßen sie immer wieder über weite Strecken gegen ihre eigenen Ideale. Die Fähigkeit zur Selbstkritik erlaubt es aber der westlichen Gesellschaft mit ihrem christlichen Fundament Widersprüche zwischen normativem Projekt und abweichender Praxis immer wieder zu korrigieren.

Thomas Feldmann
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